#richtigbockaufballern, beim Heimspiel in Kiel

Sonntagmorgen in Kiel. Nach drei verregneten Wochen lässt sich das erste Mal wieder die Sonne über der 16.9°C kalten Kieler Förde blicken. Einfach nur Zufall oder voller Einsatz des Triathlons Gott? Denn heute, am Sonntag, dem 13.August 2023 findet der 34. KN Förde Triathlon statt. Für die Organisatoren, die bereits um 05.00 Uhr morgens beim Camp 24/7 Kiel die letzten Vorbereitungen treffen, bedeutet der Blick in den Himmel vor allem eines: Um das Wetter müssen sie sich schon mal keine Sorgen machen.

Ein kurzes, hartes und schnelles Format

Doch auch ich, Felix Mayer, erfreue mich sehr an den Sonnenstrahlen. So wird das Quälen am späten Nachmittag wenigstens etwas erträglicher. Denn ich bin heute mal wieder Teil des #bockaufballern Landesliga Teams vom USC Kiel. Und der Landesliga Wettkampf ist heute ein ganz besonderer: Denn der insgesamt vierte Liga Wettkampf der Saison 2023 ist ein Team Relay. 300 Meter Schwimmen, 5.5 Kilometer Radfahren und 1.5 Kilometer Laufen. Bei den Frauen gingen für den USC heute Wiebke Wessels, Theresa Geese und Mandy Karstens an den Start und bei den Männern, wie wie bei jedem Rennen der diesjährigen Saison, gehen wieder zwei Teams des USCs an den Start. Das erste Team mit dem Namen #richtigbock setzt sich heute aus Lars Dahlkemper, Rune Löschen, Tjorven Ernst und Henrik Unfug zusammen. Und ich starte, wie oben bereits erwähnt, an zweiter Stelle des #bockaufballern Teams hinter Toni Buchheim und übergebe den Transponder dann an Tommy Krüger. Vervollständigt wird unser Team dann noch von Sebastian Zwicker. Basti hat somit dann auch die Ehre, ins Ziel laufen zu dürfen.

Viel Zeit durch den Heimvorteil

Doch vom Zieleinlauf bin ich gerade noch weit entfernt. Es ist 09.00 Uhr und während die ersten Sprintdistanzler schon an der Startlinie stehen, checke ich noch mein Zeitfahrrad, öle die Kette und pumpe die Reifen auf, bis ich mich dann zwei Stunden später langsam auf den Weg zur Kiellinie mache. Beim Wettkampfgelände angekommen, sind es zum ersten Start um 14.45 Uhr, aber nun immer noch zwei Stunden. Doch langweilig werden soll uns nicht, denn unser dritter Staffel Starter Tommy kann heute gar nicht genug vom Triathlon kriegen und steht zu diesem Zeitpunkt schon beim Sprinttriathlon an der Startlinie. “Gib mal ein bisschen Gas, wir warten auf dich”, feuern wir ihn an, als er das zweite Mal in die Wechselzone biegt. Später verrät er uns beim Laufen dann, sogar noch ein bisschen rausgenommen zu haben, um noch Kraft für den Landesliga-Start zu sparen. Trotzdem ist er, mit einer Gesamtzeit von 01:06:03 Stunden dann doch recht schnell im Ziel, sodass wir die Transponder Übergabe, die später womöglich rennentscheidend sein könnte, nochmal in Ruhe üben können. Während für Toni schon die Start Sirene ertönt, laufe ich mich noch in Ruhe ein. Zwischendurch immer der Blick zum Renngeschehen. Und das beflügelte! Toni kam mit einer saustarken Schwimmzeit, wie sich später herausstellte, sogar die beste Schwimmzeit von allen USClern, als Vierter aus dem Wasser. Auf dem Rad zeigte der Altersklassensieger vom Schauinslandkönig dann mal, wie Radfahren eigentlich geht und machte gleich mal zwei Plätze gut. Und in der Zeit, in der Toni die Kiellinie hinunter ballerte, kletterte ich schonmal auf den Start- Steg. 16.9°C also- ob die Wahl ohne Neoprenanzug zu starten wirklich so schlau war? Naja, das Ausziehen würde bei dieser kurzen Distanz einfach zu lange dauern- das habe ich vorher beschlossen und jetzt wird sich auf das Rennen konzentriert! Einmal ins Wasser springe ich trotzdem noch, um den Körper an die Temperatur zu gewöhnen. Ganze 20 Meter bin ich eingeschwommen und statt Warm ist mein Körper jetzt A**** kalt… Doch als ich aus dem Wasser komme, erhalte ich dann die Info von Rune: Toni ist immer noch zweiter und hat nur noch eine Laufrunde!

#richtigbockaufballern, beim Teamrelay auch über die Laktat Grenze hinweg

Also spurte ich schnell nach oben zur Transponder-Übergabezone. Mittlerweile musste Toni dem hohen Tempo seines Verfolgers Tribut zollen und liegt nun auf Platz drei. Ich knie mich auf den Boden, stelle mein linkes Bein nach vorne, Toni bremst vor mir, stellt sein Bein hin und ich wechsle schnell den Transponder. Nun Schwimmbrille hoch, soweit über den Steg rennen wie möglich und Kopfsprung ins kalte Nass. Dabei rutscht mir Schwimmbrille bis zur Nase und Brustgurt bis zum Bauchnabel- war wohl eher ein Bauchklatscher, als ein eleganter Kopfsprung. Jetzt einfach 300 Meter schwimmen. Meine Brille zeigt 150 Meter an, als mich ein schwarzer Neoprenanzug auf der linken Seite erschreckt- nun nicht noch mehr Plätze verlieren, einfach bis zur Wechselzone retten, Radfahren kann ich, denke ich. Kurz vor Ende des Schwimmens entscheide ich die Leiter ganz rechts an zuschwimmen, so muss ich möglichst wenig Schwimmen und kann dafür mehr laufen. Das Rauskommen über die von Algen bedeckte Metalltreppe ist dann doch schwerer als gedacht und der Wechsel von der Horizontalen in die Vertikale genauso schwierig wie immer. Unter dem Applaus der Kieler Zuschauer sprinte ich in die Wechselzone. Helm auf, Startnummernband hoch. Immerhin kein Neo ausziehen- ein entscheidender Vorteil! 330 Watt war das Ziel auf dem Rad- ambitioniert, aber durch drei Wochen Training in den französischen Alpen und die Kürze der Radstrecke sollte das machbar sein. Auf dem Rad merke ich dann: Nein, ist nicht machbar. Auf geraden Stücken stehen zwar Zahlen jenseits der 320 Watt auf dem Garmin, in den Kurven muss ich aber zu sehr rausnehmen. Für ein Stundenmittel knapp über 40km/h und 311 Watt im Schnitt reicht es dann trotzdem. Und: Ich gehe sogar als dritter in die Wechselzone- auf die Laufstrecke sogar als Zweiter. “Die letzte Laufrunde! Jetzt nochmal alles geben. Heute machst du es nicht für dich, sondern für das Team. Wenn du jetzt den Transponder übergibst, ist das Rennen nicht vorbei, nein, es ist für das Team noch alles drin!”- so meine Gedanken zur Hälfte der Laufstrecke. Und da steht er auch schon: Tommy. Bereit, meinen Transponder entgegenzunehmen. Ein letztes Mal beißen, dann ist es vorbei.

Im Ziel, also jedenfalls ich

Ich lasse mich auf die Kaimauer sinken und atme erstmal ordentlich durch. Hart, aber die Beine fühlen sich besser an, als vorher gedacht. Danach verpflegen, umziehen und … auslaufen? Nein, das Auslaufen spare ich mir heute- dafür schnell zur Strecke. Tommy ist schon auf der Laufstrecke und übergibt auf Platz zwei liegend an Basti und das mit der Sprintdistanz in den Beinen! Chapeau Tommy! Und Basti, der hat auch nochmal #bockaufballern gehabt und ist mit der 3. schnellsten Radzeit des Tages auf Platz 1 vorgefahren. Auf der Laufstrecke sah es dann richtig leicht für ihn aus, die Führung zu verteidigen, sodass der Vorsprung sogar mehr und mehr gewachsen ist. Letztendlich war der Puffer mit 1:30 Minuten dann sogar so groß, dass wir noch gemeinsam mit Basti, zu viert, über die Ziellinie laufen. Was für ein geiles Rennen! Und auch bei unserem zweiten Team sowie den USC Mädels lief es richtig gut. Das Team #richtigbock ist nämlich noch auf Platz drei vorgelaufen und in der Landesliga der Frauen durfte der USC sich über Platz 5 freuen. Herzlichen Glückwunsch für diese Leistungen!

Wir freuen uns auf Norderstedt!

Nach den obligatorischen Mannschaftsfotos wurde jeder dann bei der Siegerehrung noch mit einer Sonnenblume und einem Glas Honig belohnt. Danach quatschen wir noch kurz und dann tritt jeder, mit einem Strahlen im Gesicht, was noch schöner war als das der lang ersehnten Sonne, den Heimweg an. Wir freuen uns nun auf den letzten Liga Wettkampf der Saison 2023 am 03. September, einem Rennen über die olympische Distanz in Norderstedt und hoffen vielleicht sogar, dass der USC Kiel dieses Jahr in der Gesamtwertung gleich zweimal auf dem Podium steht!


geschrieben von Felix Mayer


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